Verstaubte Bibliotheken? – Ein Bericht über Vorurteile in einer modernen Bibliothek – Teil 1-

StaubigeBücher

Wenn man in einer Bibliothek arbeitet, wird man automatisch mit Vorurteilen konfrontiert. Oft sind diese Vorurteile noch nicht einmal böse gemeint, doch sie verstimmen mich ein wenig, weil viele Menschen leider ein ganz falsches Bild von meiner Arbeit haben und gar nicht wissen, was man alles in einer Bibliothek erleben kann.

Das ist sehr Schade, aber deshalb möchte ich ein wenig Licht ins Dunkle bringen und mit den Vorurteilen aufräumen.

Vorurteil Nr. 1: Wenn man in einer Bibliothek arbeitet, darf man den ganzen Tag lesen

Es wäre sehr schön, wenn ich den ganzen Tag nur lesen dürfte und dafür auch noch bezahlt werden würde. 🙂

Die Realität sieht hier aber ganz anders aus, denn ich lese auf der Arbeit kaum und habe dafür auch leider keine Zeit. Ich lese in meiner Freizeit und lese dann auch die Bücher, die ich für Leseabende und Veranstaltungen in der Bibliothek benötige.

Vorurteil Nr. 2: Man hat alle Bücher, die in der Bibliothek stehen, gelesen

Diese Frage bekomme ich tatsächlich öfters gestellt und muss dann auch ein wenig schmunzeln, wenn es mal wieder so weit ist. Natürlich kann ich nicht alle Bücher gelesen haben. Wenn man einen Bestand von ca. 56.000 Medien in der Bibliothek hat, wird das auch schon schwierig und ich bräuchte mehrere Leben dafür. Nichtsdestotrotz sollte man den Bestand in der Bibliothek kennen und auch wissen, welche Bücher sich gerade auf den Bestsellerlisten befinden und welche Themen gefragt sind. Ich gebe gerne Buchtipps und plaudere über Bücher, kann mich aber nicht mit allen Themen befassen und Profi darin sein, dafür kann ich aber sehr gut recherchieren und den Bibliotheksnutzern trotzdem die passende Literatur heraussuchen und bereitstellen.

Vorurteil Nr 3: Man ist langweilig, wenn man in einer Bibliothek arbeitet

Wie auch in anderen Berufen, arbeiten in einer Bibliothek individuelle Persönlichkeiten, die auch ein Leben nach der Arbeit besitzen. Einige Kollegen spielen Musikinstrumente oder sind in einer Band, andere gehen feiern, ein paar sind tätowiert, eine Kollegin ist eine Tanzmarie, ein anderer Kollege hört Ballermannhits, ich persönlich höre Heavy Metal und meine Lieblingsfarbe ist schwarz, ein paar von uns sind echte Nerds, andere sind richtige Fußballfans und so könnte ich die Liste unendlich lang fortführen… 😉

Vorurteil Nr. 4: In einer Bibliothek arbeiten nur Bibliothekare

Falsch! Bei uns in der Bibliothek arbeiten hauptsächlich Bibliothekare und Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste (FaMI). Es gibt aber auch viele kleine Bibliotheken, die nur von ehrenamtlichen Personen betreut werden oder von Gemeindemitgliedern. In vielen Bibliotheken arbeiten auch studentische Hilfskräfte oder andere Hilfskräfte.

Vorurteil Nr. 5: In einer Bibliothek gibt es nur Bücher

Natürlich gibt es Bibliotheken, da findet man nur Bücher. Ich arbeite in einer öffentlichen Bibliothek und dies bedeutet, dass jeder bei uns ausleihen darf. Bei uns kann man Bücher, eBooks, eAudio, ePapers, CDs, DVDs, Konsolenspiele, Zeitschriften, Gesellschaftsspiele, Bilderbuchkinos, Hörbücher, Demenenzkoffer, eBook-Reader und Wanderkarten ausleihen. Zusätzlich bieten wir noch Medienkisten für Institutionen an.

Vorurteil Nr. 6: In den Bibliotheksräumen muss man still sein

Ohne Frage sollte man in einer Bibliothek nicht rumschreien oder lautstark telefonieren, um die anderen Nutzer nicht zu stören. Man darf aber gerne in normaler Lautstärke miteinander reden. Bibliotheken sind nicht nur ein Ort um Bücher auszuleihen, sondern werden immer mehr zu Treffpunkten für unterschiedliche Gruppen.Bei uns treffen sich z.b. viele Lerngruppen,  Sprachpaten, die Geflüchteten helfen, die neue Sprache zu lernen, viele Eltern besuchen uns mit ihren Kindern, viele Kinder nutzen unsere PCs und das kostenlose WiFI und treffen sich mit ihren Freunden bei uns.

Wie sieht es bei euch aus? Besucht ihr Bibliotheken und wie gefällt es euch dort?

Ich bin auf eure Antworten gespannt und gerne dürft ihr mir auch dazu Fragen stellen, die ich dann im nächsten Beitrag  beantworten werde. 😉

 

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9 Gedanken zu “Verstaubte Bibliotheken? – Ein Bericht über Vorurteile in einer modernen Bibliothek – Teil 1-

  1. Du bekommst ja echt lustige Fragen gestellt.

    Ich gehe schon seit meiner Kindheit in die Bibliothek, bei uns Bücherhalle genannt. Daher wusste ich jetzt die Antworten von dir mehr oder minder auch schon. Was ich allerdings nicht kenne, ist der Demenenzkoffer. Was ist denn das? Bei uns in der Bücherhalle muss man aber schon sehr leise sein und da ist sich unterhalten auch nicht erlaubt. Es sei denn man ist wirklich leise dabei. Aber solche Treffpunkte für Gruppen gibt es nicht. Zumindest weiß ich davon nichts. Es könnte auch sein, dass es die gibt und ich es einfach bisher nicht wusste. Manchmal gibt es aber Veranstaltungen, z. B. Gitarre spielen lernen und so.

    Danke, für diesen tollen Bericht.

    Lg Mel

    • Liebe Mel,

      der Demenzkoffer ist für demenzkranke Menschen gedacht und wird an Institutionen und Privatleuten ausgeliehen. Man könnte ihn auch besser „Erinnerungskoffer“ nennen. Es gibt verschiedene Themen wie z.B. Musik und Tanz, Weihnachten, Spiel und Spaß, im Haus, Draußen sein usw. Die Koffer enthalten Bücher wie z.B. Liederbücher und viele Gegenstände zum Anfassen und Anschauen. Menschen mit Demenz sollen hier zum Erinnern und Erzählen angeregt werden und auch für Betreuungspersonen ist der Koffer zur Inspiration sehr gut geeignet.
      Bei euch in der Bücherhalle ist man aber schon sehr streng mit der Lautstärke. 😉 Im nächsten Bericht werde ich auch über das Veranstaltungsangebot, auf die Workshops und auf mein Projekt für Kinder „Biblioversum – Erlebe deine Bibliothek“ eingehen. Vielen Dank für deine Nachricht und ganz liebe Grüße.
      Jane 😀

  2. Hallo Jane,

    ein wirklich toller Bericht und über die Fragen kann man ja nur den Kopf schütteln.
    Ich bin früher sehr gerne in die Bibliothek gegangen, als ich dann aber in eine andere Stadt gezogen bin und mein erstes Geld verdient habe, habe ich mir dann aber lieber die Bücher selbst gekauft.
    Derzeit gehe ich nur in die Unibibliothek, um Bücher für Arbeiten usw. auszuborgen.
    Das Thema finde ich aber deswegen interessant, da ich nächstes Jahr mit meinem Master in Germanistik fertig werde und überlege, ob ich mich bei Bibliotheken bewerben soll. Ich weiß natürlich, dass es dafür eigene Ausbildungen und Studiengänge gibt, aber ich denke, versuchen kann ich es ja mal. Deswegen würde ich mich freuen, wenn du noch weitere Einblicke in deinen Beruf gibst 🙂

    Liebe Grüße,
    Silke

    • Liebe Silke, über einige Fragen ärgere ich mich auch hin und wieder. 😉

      Gerne gebe ich weitere Einblicke in den Beruf und freue mich, dass du dich dafür interessierst. Viel Erfolg bei deinen Bewerbungen!

      Liebe Grüße,
      Jane

  3. Da ich im Buchhandel arbeite, gehe ich nicht mehr in die Bibliothek, ich sitze ja schon an der passenden Quelle 🙂
    Allerdings ist es interessant, dass es den Bibliotheken (und den dort arbeitenden Menschen) gegenüber die gleichen Vorurteile gibt, wie im Handel. Bloß Punkt 6 passt nicht – unsere Buchhandlung scheint ein Magnet für schreiende Kinder und laut telefonierende Erwachsene zu sein 😀

    Viele Grüße,
    Lisa

    • Liebe Lisa, ich finde es auch interessant, dass es in den Buchhandlungen die gleichen Vorurteile gibt. Einige Besucher verstehen auch nicht, dass man in der Bibliothek nicht lautstark telefonieren sollte. Nervig finde ich es, wenn die Leute schon mit Handy am Ohr reinkommen, telefonieren und dann ihre Sachen abgeben und dich noch nicht mal beachten. Ich rede dann einfach dazwischen und weise darauf hin, dass man auch draußen telefonieren kann. 🙂

      Liebe Grüße,
      Jane

      • Es gibt ja auch genug Menschen, die der Meinung sind, dass Bibliotheken das gleiche sind wie Buchhandlungen, sind ja schließlich beides Orte, an denen es Bücher gibt. 😀
        Aber zum Glück gibt es auch ganz viele nette Kunden bzw. Gäste, die einem oft dann doch noch den Tag versüßen. 🙂

        Liebe Grüße,
        Lisa

  4. Pingback: Verstaubte Bibliotheken? – Ein Bericht über Vorurteile in einer modernen Bibliothek – Teil 2- | Die wunderbare Welt der Jane

  5. Pingback: Stöberrunde #10 | Fluchtpunkt Lesen

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