Buchrezension: „Das Leben nach Boo“ von Neil Smith

Heute möchte ich euch den Roman „Das Leben nach Boo
von Neil Smith näher vorstellen.

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Roman
Aus dem Englischen von Brigitte Walitzek

416 Seiten. Gebunden. Lesebändchen.
€ 24,00   €[A] 24,70
ISBN: 978-3-89561-496-5

Der Inhalt (Quelle: Schöffling & Co.)

Oliver »Boo« Dalrymple ist dreizehn Jahre alt, hochbegabt, wenig beliebt und vor allem tot. Gerade noch hat er an seinem Schulspind gestanden, in das Periodensystem vertieft, da findet er sich im Wiedergeburtsraum eines seltsamen Jenseits wieder. Dort begrüßt ihn Thelma, ein schwarzes Mädchen, das in den sechziger Jahren gelyncht wurde, und erklärt ihm, was es damit auf sich hat: In einer von Mauern umgebenen Stadt leben ausschließlich verstorbene amerikanische Jugendliche seines Alters. Quicklebendig verbringen sie ihre Zeit wie auf einem großen Schulhof, sausen auf Fahrrädern umher und werden von einem hippiehaften Gott namens Zig mit allem versorgt, was Dreizehnjährige zum Leben brauchen.
Boo hat gerade begonnen, sich an das Nachleben zu gewöhnen, als sein ehemaliger Klassenkamerad Johnny in der Stadt auftaucht und ein überraschendes neues Licht auf seine Vergangenheit wirft. Auf der Suche nach der brutalen Wahrheit wird ihre gerade erst geschlossene Freundschaft ernsthaft auf die Probe gestellt.

Meine Meinung:

Ich stelle dieses Buch vor, da es meiner Meinung nach viel mehr Aufmerksamkeit verdient hätte! Der Roman“ Das Leben nach Boo“ von Neil Smith ist anders! Anders, aber gut und erfrischend skurril. Dieser Roman war meine Urlaubslektüre in Ibiza und hat mich wirklich sehr gut unterhalten. Man muss diese Art von Geschichten mögen, die ungewöhnlich und ein wenig verrückt sind. Da ich diese Art von Erzählungen sehr mag, konnte dieser Roman mich auch wirklich sehr begeistern.

Die Geschichte spielt im Jahr 1979. Die Hauptfigur ist Boo, der eigentlich Oliver Dalrymple heißt und in Amerika lebt. Den Namen „Boo“ erhielt er von seinen Klassenkameraden, die ihn nicht mögen und ihm diesen Namen wegen seiner hellen Haut und seinem hochstehenden Haar gegeben haben. Oliver ist hochintelligent, gilt leider aber auch als Außenseiter. Er hat keine Freunde und lebt sein Leben als eine Art Nerd.  Er ist 13 Jahre alt und wird es auch für immer bleiben, denn er ist tot.
Plötzlich findet Oliver sich im „Himmel“ wieder, der ganz anders ist, als es in den üblichen Vorstellungen der Menschen beschrieben wird. In einer Art Wiedergeburtsraum erwacht er und lernt dort die anderen Bewohner „der Stadt“ kennen, die so den  Ort des Nachlebens nennen.
Aus dem Jenseits heraus versucht Oliver in Kontakt mit seinen Eltern zu treten. Er schreibt ihnen in einer Art Handbuch und berichtet dort über sein Nachleben. Anfangs geht Oliver noch davon aus, dass er durch sein löchriges Herz zu Tode gekommen ist, denn von Geburt an litt er unter einem Herzfehler.  Doch dann taucht eines Tages plötlich sein Mitschüler Johnny in der Stadt auf und schlagartig wendet sich die Geschichte.  Johnny berichtet ihm, dass er nicht an einem Herzfehler starb, sondern  in der Schule erschossen wurde. Unverzüglich begeben sich Boo und Johnny nun auf die Suche nach „Gunboy“, der ebenfalls neu in der Stadt eingetroffen sein soll.

Wie man bereits an der Beschreibung der Handlung merkt, ist diese Geschichte wirklich kurios. Trotz des ernsten Themas musste ich oft schmunzeln, denn zwischen den Sätzen taucht immer mal wieder eine zarte Ironie auf.
Boo und seine Eltern sind Atheisten und man geht davon aus, dass Atheisten sich kaum oder überhaupt eine Vorstellung über den Himmel und wie es dort aussehen könnte, machen. Boo schreibt seinen Eltern hier beispielsweise detailiert auf, dass es dort auch Ananas zu essen gäbe und dass es sie mehr Dosenananas als frische Ananas zu essen bekämen.
Wer macht sich auch schon Gedanken darüber, welche Zahnpasta es im Himmel verwendet wird? Auch hier weiß Boo die Antwort und schreibt seinen Eltern in einer Art Handbuch, dass sie sich dort mit doppeltkohlensaurem Natron (Natriumcarbonat), was sie auf ihre Zahnbürsten streuen, die Zähne putzen würden.

Auch wird Gott als eine Art Hippie dargestellt, den alle „Zig“ nennen und noch nie zu Gesicht bekommen haben. Gott wird hier nicht als gütig und unfehlbar beschrieben, sondern taucht als exzentrisches Blumenkind mit einer künstlerischen Ader auf, der verwaschene Jeans mit Gänseblümchenmustern und Flip-Flops trägt.
Ständig vermurkst Zig etwas, so sind beispielsweise die Toiletten in der Stadt andauernd bis zum Überlaufen verstopft und die Kids müssen selbst schauen, wie sie dieses Problem lösen.

Der Autor schafft durch seine detaillierten Beschreibungen eine neue und fantastische Welt, die eben anders ist.
So finden sich in diesem speziellen Jenseits,  wo sich nun auch Boo befindet, ausschließlich  13-jährige Amerikaner wieder. In der Vorstellung der anderen Bewohner soll es aber noch weitere Städte geben, also eine Stadt für jedes Alter. Hierbei handelt es sich aber rein um Spekulationen, da ihre Stadt von hohen Mauern umgeben ist.

Und auch ist diese Geschichte ernst, todernst und geht in die Tiefe.
Es wird eine Art Hetzjagd auf den Mörder von Boo beschrieben. Die Jugendlichen sind in ihrer Stadt auf sich allein gestellt und machen ihre eigenen Regeln. Das Kommando haben hier die „guten“Jugendlichen, die ihre Lebensweise den anderen Jugendlichen aufdrücken wollen. Die Gewaltbereitschaft, die in jedem Menschen schlummert, kommt hier drastisch zum Vorschein und man merkt sehr schnell, dass dieser Himmel nicht so friedlich und schön ist, wie man sich das so vorstellt und dass hier die Gier nach Rache ebenfalls sehr groß ist.

Ich möchte nun nicht mehr so viel vom Inhalt verraten, denn man sollte dieses Buch einfach lesen!
Zu erwähnen bleibt noch, dass dieses Buch sowohl von Erwachsenen wie auch von Jugendlichen sehr gut gelesen werden kann. Der Verlag zeichnet dieses Buch nicht expliziert als Jugendbuch aus, allerdings wird der Roman, der bereits 2015 auf dem amerikanisch-kanadischen Buchmarkt erschienen ist, auch schon als Schullektüre für Schüler ab 14 Jahren verwendet.

Das Cover passt ebenfalls sehr gut zum Inhalt. Es ist eigentlich schlicht gehalten, doch durch seine Farbwahl sehr auffällig. Hier gibt es übrigens 11 verschiedene Farbvariatnen von, so dass jeder sein Lieblingscover finden sollte.

Fazit:
Ein Buch was definitiv anders ist, aber anders gut!
Hier gibt es eine eindeutige Leseempfehlung von mir. Die Geschichte ist einzigartig, tiefgehend, abwechslungsreich und weist viele Wendungen auf. Der Schreibstil ist locker, abwechslungsreich und sehr detailiert. Beim Lesen wird es definitiv nie langweilig werden, denn für Abwechslung ist hier bestens gesorgt.
Wer diesen Roman nicht lesen möchte, verpasst wirklich was.

Meine Bewertung:

♥♥♥♥♥ ( von ♥♥♥♥♥)

„Die Geschichte von Boo“ habe ich am 06.06.2017 auf einem gemeinsamen Vorleseabend von der Buchhandlung Mayersche Moewes und der STADT.BIBLIOTHEK.BERGHEIM vorgestellt und einige Passagen daraus vorgelesen. Das Publikum war begeistert und ich finde, dieser Roman sollte wirklich viel mehr Aufmerksamkeit erhalten. 😉

Habt ihr das Buch schon gelesen?

Buchrezension: „Auerhaus“ von Bov Bjerg

Heute möchte ich euch gerne den Roman „Auerhaus“ von Bov Bjerg näher vorstellen.

image_1_13544 Bov Bjerg

Auerhaus

18,00 (D)// Gebunden mit ausklappbarem Vorsatz, 240 Seiten

Blumenbar
ISBN: 978-3-351-05023-8

Der Inhalt (Klappentext Blumenbar):

Sechs Freunde und ein Versprechen: Ihr Leben soll nicht in Ordnern mit der Aufschrift Birth – School – Work – Death abgeheftet werden. Deshalb ziehen sie gemeinsam ins Auerhaus. Eine Schüler-WG auf dem Dorf – unerhört. Aber sie wollen nicht nur ihr Leben retten, sondern vor allem das ihres besten Freundes Frieder. Denn der ist sich nicht so sicher, warum er überhaupt leben soll.
Bov Bjerg erzählt mitreißend und einfühlsam von Liebe, Freundschaft und sechs Idealisten, deren Einfallsreichtum nichts weniger ist als Notwehr gegen das Vorgefundene. Denn ihr Ringen um das Glück ist auch ein Kampf um Leben und Tod.

Meine Meinung:

Auf den Roman „Auerhaus“ von Bov Bjerg bin ich durch die vielen und positiven Besprechungen aufmerksam geworden. Ich gehe zwar nicht jeden Hype nach, aber der Inhalt hat mich schon sehr neugierig gemacht, so dass ich das Buch sehr gerne lesen wollte.

Das Buchcover ist in einem satten Orangeton gehalten. Die Schrift und die Symbole, eine Regenwolke und eine Wolke, wo die Sonne durchbricht, sind sehr natürlich in einem Beigeton gehalten. Die Farbe Orange ist lebendig und steht für Wärme und wirkt sich positiv auf die Psyche aus. Die Farbe Beige unterstützt die positive Wirkung. Die gewählten Symbole  lassen mich an das Sprichwort “ Auf Regen folgt Sonnenschein“ denken und ich assoziere damit das Leben, die Freude und die Trauer. Auch erinnert mich die Gestaltung des Buchdeckels sofort an ein Jugendbuch.

Zum Inhalt:

Bov Bjerg erzählt in seinen Roman „Auerhaus“ die Geschichte von Frieder und seinen Freunden, die gemeinsam in einer Art Jugendwohngemeinschaft, dem Auerhaus, leben. Das Haus hat seinen besonderen Namen übrigens von den Nachbarn erhalten, die aus seinem Inneren ständig den Song „Our House“ von Madness hörten.

Die Bewohner des Auerhaus sind anders! Dies merkt man augenblicklich, wenn der Autor durch ihre skurril anmutende Gedankenwelt führt. Eines, jedoch verbindet sie, sie möchten ihren Freund Frieder vor einem erneuten Selbstmordversuch schützen. Gemeinsam leben sie ihr junges und unbekümmertes Leben, welches in Wahrheit gar nicht so unbekümmert erscheint.

Man stelle sich eine Gruppe Jugendlicher vor, die alle ihr persönliches Päckchen mit Problemen mit sich herumtragen und fortan ihr Leben gemeinsam in einem Haus verbringen werden, wo sie keinerlei Kontrolle ausgesetzt sind und den Alltag nach ihren eigenen Regeln gestalten. Dies schreit förmlich nach Chaos und klingt ein wenig verrückt, was es auch genau genommen ist, da die Jugendlichen förmlich ins kalte Wasser geworfen werden und ganz allein und ohne jegliche Unterstützung, mit ihrem Leben, dem Alltag und dem Erwachsenwerden, zurechtkommen müssen.

Anderseits unterstützen sie sich gegenseitig und verbreiten gemeinsam ein Sammelsurium von Chaos, indem sie ihre eigenen Regeln aufstellen und so die unbeschwerteste und schönste Zeit ihres Lebens erleben werden, bevor schließlich die harte Realität durchgreifen wird und alles verändern wird.

Erzählt wird die Geschichte in einer leichten Sprache, die gut auf die jugendlichen Charaktere abgestimmt ist. Der Schreibstil ist hier sehr flüssig und man kann den Roman relativ schnell lesen. Besonders gut hat mir gefallen, dass man sich mitten im Zentrum der Geschichte wiederfindet und als stiller Beobachter alles mitbekommt. Und auch das Zusammenspiel zwischen Freude und Trauer, Glück, Unbeschwertheit und Melancholie hat mir sehr gut gefallen. Die Geschichte hat mich zum lachen gebracht, aber zusätzlich auch sehr nachdenklich gestimmt. Teilweise muss ich aber zugeben, dass mich der Inhalt an manchen Stellen nicht so überzeugen konnte, da die Handlung nicht immer gut nachvollziehbar war und dadurch etwas realitätsfremd auf mich wirkte.

Meine Bewertung:

♥♥♥ (von ♥♥♥♥♥)