Buchrezension: „Ellbogen“ von Fatma Aydemir

Hallo Ihr Lieben,

heute möchte ich euch den Debütroman „Ellbogen“ von Fatma Aydemir vorstellen.Aydemir_25441_MR1.indd

Buchrezension „Wohin der Wind uns weht“ von João Ricardo Pedro

Heute möchte ich euch gerne  „Wohin der Wind uns weht von João Ricardo Pedro vorstellen.

Der Inhalt:

Wohin der Wind uns weht“ erzählt die Geschichte der portugiesischen Familie Mendes , die drei Generationen umspannt.

Im Mittelpunkt der Handlung steht  Duarte, ein junger Portugiese, welcher der dritten Generation der Familie Mendes angehört und der an einem historischen Tag für Portugal, am Tag der Nelkenrevolution, geboren wurde.

Duarte wächst inmitten fremder Erinnerungen auf, die seiner Familie gehören und die ihn stark prägen.

Einzig allein durch das Klavier spielen findet er zu sich selbst und zu seiner Geschichte. Durch die Musik verstärken sich seine Gefühle, aber die Musik spiegelt auch die dunkle Seite und negativen Empfindungen und Erinnerungen von Duarte wieder, die ihn zerstören könnten.

 Duarte erinnert sich jedoch an die vergilbten und alten Briefe seines Großvaters, die ihm eine Chance für sein eigenes Leben bieten.

Meine Meinung:

Ich habe etwas mit meiner Rezension gewartet, da ich das Gelesene erst ein wenig sacken lassen musste und noch ein wenig über die Geschichte nachdenken musste. Der Roman hat mich zum denken angeregt und ich habe lange nicht mehr, ein so beachtenswertes  Buch, zumindest was den Schreibstil betrifft, gelesen!

Der Schreibstil hat mir hier wirklich sehr gut gefallen. Der Autor wechselt hier zwischen ausdrucksstarken Schachtelsätzen, präzisen Aussagen, scheinbar endlosen Aufzählungen und kurzen abgehakten Sätzen. Die Melancholie steht hier im Vordergrund und wird an einigen Stellen durch eine poetische Wortwahl verstärkt. Man kann eigentlich gar nicht glauben, dass es sich hierbei um das Erstlingswerk des Autors handelt. Diese Seite des Romans ist wirklich sehr gut gelungen und man findet hier auch einige psychologische und philosophische Ansätze wieder, allein  deswegen und wegen der Sprache sollte man „Wohin der Wind uns weht“ unbedingt lesen.

Es gibt aber auch eine andere Seite, die mir nicht ganz so gut gefallen hat und die eine zweigeteilte Meinung in mir hervorruft.

Der Inhalt war oft sehr grausam, sehr trostlos, an einigen Stellen vulgär und oft sehr rätselhaft.

An einigen Stellen war mir die Heftigkeit des Beschriebenen dann doch etwas zu viel. Der Autor geht hier zumindest nicht zimperlich mit seinen Lesern um. Auch hätte ich mir zum Ende hinein wenig mehr Klarheit  gewünscht, der Leser wird ein wenig im Nebel stehen gelassen, was zwar zum nachdenken anregt, auf der anderen Seite aber einen unbefriedigten Eindruck hinterlässt.

Fazit:

Man sollte das Buch allein schon wegen des hervorragenden und melancholischen Schreibstils lesen und sich nicht von der Gewalt und den politischen Hintergründen abschrecken lassen. “ Wohin der Wind und trägt“ regt zum denken an und ist meiner Meinung nach absolut empfehlenswert!

Meine Bewertung:

♥♥♥♥ (von ♥♥♥♥♥)

Ich möchte mich ganz herzlich bei dem Suhrkamp Verlag und bei LovelyBooks bedanken, die mir dieses Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben! Vielen Dank ;-).

Buchrezension „Tigermilch“ von Stefanie de Velasco

Kurzbeschreibung (Quelle: Kiwi-Verlag)

»Manchmal kann die Musik gar nicht laut genug sein, damit man das Leben nicht hört.«

Nini und Jameelah leben in derselben Siedlung, sie sind unzertrennlich und mit ihren vierzehn Jahren eigentlich erwachsen, finden sie. Deswegen kaufen sie sich Ringelstrümpfe, die sie bis zu den Oberschenkeln hochziehen, wenn sie ganz cool und pomade auf die Kurfürsten gehen, um für das Projekt Entjungferung zu üben.
Sie mischen Milch, Mariacron und Maracujasaft auf der Schultoilette.
Sie nennen das Tigermilch und streifen durch den Sommer, der ihr letzter gemeinsamer sein könnte. Die beiden Freundinnen lassen sich durch die Hitze treiben, sie treffen nicht Tom Sawyer oder Huck Finn, aber hängen mit Nico ab. Nico, der in der ganzen Stadt »Sad« an die Wände malt und Nini ein Gefühl von Zuhause gibt. Sie machen Bahnpartys, rauchen Ott in Telefonzellen und gehen mit Amir ins Schwimmbad. Amir, den sie beschützen wie einen kleinen Bruder. Und dessen großer Bruder Tarik im Dauerstreit mit seiner Schwester liegt, weil diese sich in einen Serben verliebt hat.
Nini und Jameelah erschaffen sich eine Welt mit eigenen Gesetzen, sie überziehen den Staub der Straße mit Glamour, die Innigkeit ihrer Freundschaft ist Familienersatz. Sie halten sich für unverwundbar, solange sie zusammen sind. Doch dann werden sie ungewollt Zeuge, wie der Konflikt in Amirs Familie eskaliert. Und alles droht zu zerbrechen.
Mit einem hinreißend eigenen Sound, leichtfüßig und schonungslos, wuchtig und zart erzählt Stefanie de Velasco von zwei Mädchen, die das Leben mit beiden Händen ergreifen und lernen müssen, das eigene Dasein auszuhalten. Ein kraftvolles Debüt über Verlust und Sehnsucht. Unmittelbar, entlarvend und herzzerreißend.

Meine Meinung:

Tigermilch“ von Stefanie de Velasco habe ich als Lesetipp empfohlen bekommen und ich bin ziemlich dankbar dafür, denn dieses Buch hat mir sehr, sehr gut gefallen! Danke Jörg!!! 😉

Anfangs war ich ein wenig skeptisch, ob mir das Buch überhaupt gefallen würde, da der Klappentext mich nicht so angesprochen hat, aber ich wurde eines Besseren belehrt und habe mich dann doch an das Buch herangetraut und ich habe es auch wirklich nicht bereut und bin froh, dass ich es gelesen habe, denn ich kam hinterher gar nicht mehr von der Geschichte los!

Eingangs war der Schreibstil der Autorin etwas ungewohnt für mich, denn es wird hier ein eher rauer und jugendlicher Sprachstil verwendet, aber nach einer kurzer Eingewöhnungsphase kam ich dann in die Geschichte rein und jetzt vertete ich die Meinung, dass dieser Sprachstil genau richtig gewählt wurde und den Inhalt des Buches hervorragend unterstützt und das ist eigentlich auch, was die Geschichte ausmacht, sie verschönt nicht!

Erzählt wird in “ Tigermilch“ die Geschichte von Nini und Jameelah, zwei 14- jährigen Mädchen, die in einen Problemvirtel in Berlin aufwachsen und die unterschiedlicher nicht sein können.

Nini ist Deutsche und teilt sich zusammen mit ihrer depressiven Mutter und ihrer Schwester eine Wohnung.

Schon in frühen Jahren trennte sich ihr Vater von ihrer Mutter und Nini konnte diesen Schicksalsschlag nie wirklich verkraften und erlebte so, den ersten, schmerzhaften Verlust.

Auch Jameelah, die im Irak aufwuchs, erlebte schon sehr früh, sehr schwere Schicksalsschläge, die ihr Leben und ihr Weltbilt negativ prägten. Im Bürgerkrieg verlor Jameelah ihren Vater und ihren Bruder, beide wurden erschossen. Darauf flohen Jameelah und ihre Mutter nach Deutschlad, wo Sie nun im gleichen Haus wie Nini wohnen.

Jameelah und Nini sind unzertrennlich und wollen gemeinsam erwachsen werden. Auf dem Weg dorthin erleben Sie ziemlich „krasse“ Dinge, die man sich so nicht vorstellen möche, die aber auch bei uns täglich so geschehen.

Die  Autorin schildert die Ereignisse so authentisch und realistisch, dass man das Gefühl hat, dass man die Ereignisse persönlich miterlebt, man ist wirklich mitten drin,was für mich persönlich des Öfteren auch sehr schockierend, aber sehr real war.

Ich mag es sehr, dass die Autorin nichts verschönt und den Leser alles schonungslos miterleben lässt!

Auch hat mir gefallen, dass in“ Tigermilch“ sehr viel Philosophie drin steckt und man über die Geschichte nachdenken muss!

Tigermilch“ von Stefanie de Velasco sollte man wirklich unbedingt lesen und es ist nun auch eine Leseempfehlung, die ich gerne  an euch weitergeben möchte!

Besonders die Leser, die „Tschick“ von Wolfgang Herrndorf mögen, sollten auch „Tigermilch„lesen! 😉

( Bewertung: ♥♥♥♥von ♥♥♥♥♥)

Rezension: “ Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend“ von Andreas Altmann

Der Inhalt:

Andreas Altmann schreibt in “ Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend“ , wie der Titel schon aussagt, über seine überaus brutal und voller Gewalt erlebte Kindheit und Jugend in seinem Elternhaus in Altötting.

Altötting gilt als „heiliger“ Walfahrtsort, die Stadt selber wirbt mit dem Slogan “ Grüß Gott“ in Altötting, doch hinter der „heiligen“ Fassade im Altmann -Haus herrscht eine eisige ,von Gewalt beherrschende Tagesordnung. Andreas Altmann schildert in seinem Buch die brutalen Gewalttaten seines Vaters,der ehemalige SS- Mann, der nun wie ein Herrscher und Diktator seine Familie im Griff hat. Von außen der brave fast heilige Rosenkranzverkäufer, prügelt  er zuhause seine Frau und seine Kinder  ohne Kompromisse um den Verstand.

Meine persönliche Meinung:

Letztes Jahr habe ich Andreas Altmann „live“ auf einer Lesung zu “ Triffst du Buddha, töte ihn! “ gesehen, auf dieser Lesung hat er auch aus seinem aktuellen Buch “ Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend“ vorgelesen. Damals stockte mir der Atem, denn was er dort vorlas, war so hart , so grausam und so ungeheuerlich, dass ich erst gar nicht zuhören wollte. Ich konnte gar nicht fassen, dass dieser Mann, der vor mir saß, dieser toughe, erfahrene Weltenbummler so eine schrecklich brutale Kindheit und Jugend erlebt hatte. Diese Brutalität  kann man nicht in Worte fassen und wenn man das Buch liest, wird einem auch schnell klar, dass man so ,ohne  einen bleibenden Schaden zu bekommen ,nicht davon kommen kann.

Ich habe etwas länger zum lesen gebraucht, denn ich konnte das Buch nicht in einem Stück zuende lesen, ich musste zwischendurch immer mal Pause machen, um das gelesene zu verarbeiten. Dies ist kein Buch, dass man mal eben an einem schönen Sonntagnachmittag lesen kann, dies war mir aber vorab bewusst  und trotzdem wollte ich es lesen !!!

Altmanns Schreibstil ist durchaus schonungslos, nie jammerig aber voller Wahrheit. ich glaube ihm jedes einzelne Wort.

Auch das Nachwort, wo er darüber berichtet, dass seine Mutter ihn als Baby ersticken wollte, dies aber nicht geschafft hat, da die Wöchnerin schnell eingriff und das ganze Hintergrundinformationen, wie Er seine „Scheißjugend“ psychisch und physisch verarbeitet hat und von einer Psychotherapie in die nächste gerit, dann nach weiteren “ Fehlschlägen“ doch noch zu sich selber fand und nun um die ganze Welt reist und seine Berufung als Reisereporter , Schriftsteller und Reporter gefunden hat, fand ich sehr beeindruckend und schonungslos berichtet.

Kaum kann man sich vorstellen, dass dieser Mensch, der so viel grauenhaftes, schreckliches und gewaltvolles erlebt hat, doch noch sein Glück finden konnte. Ich finde es bemerkenswert, dass er sich auch getraut hat, über diese Ungeheuerlichkeit in seinem  Leben zu schreiben und auch finde ich es bemerkenswert, dass er schonungslos über Altötting, Pfarrer die Kinder missbrauchen, Prügel und Gewalt schreibt, die man an diesem „heiligen“ Ort nicht vermutet.

Fazit: Ein schonungslos, nie jammerig aber voller Wahrheit geschriebenes Buch , welches einem einen gewaltigen Schauer über den Rücken laufen lässt, denn es erzählt  die Lebensgeschichte eines Mannes und seiner Familie, die von Gewalt, Unterdrückung und Scheinheiligkeit geprägt wurde, es erzählt aber auch  die Geschichte eines Mannes, der es geschafft hat, darüber zu berichten , was ich persönlich ziemlich mutig finde, und der dadurch zu sich selber gefunden hat. 

Hierfür vergebe ich ♥♥♥♥ (von ♥♥♥♥♥)

© Cover: Piper Verlag